Ganztagsbetreuung : Dem Virus die Stirn bieten und offensiv agieren

Der OGS- und Kids Klub des Kinderschutzbundes Eschweiler verfolgt in der Corona-Krise ein Ziel: Kindern ein Gefühl von Stärke zu vermitteln. Dafür lassen sich die Mitarbeiterinnen einiges einfallen.

Trotzen der Corona-Krise: das OGS- und Kids Klub-Leitungsteam des Kinderschutzbundes Eschweiler mit (v. l.) Glykeria Stalimerou, Jennifer Kraweczinski, Mariethres Kaleß, Petra Metzen, Danuta Rudzinski, Rebekka Karbig und Ramona Zirmer. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler: Die Corona-Krise ist ein einschneidendes Erlebnis mit weitreichenden und noch nicht wirklich absehbaren Folgen in allen Bereichen des Lebens. Und zwar für Menschen aller Altersklassen.

Was die Geschehnisse der zurückliegenden Wochen und Monate mit Schul- und Kitaschließungen auf lange Sicht für Kinder bedeuten, ist noch vollkommen ungewiss. Doch eines ist offensichtlich: Den Kopf in den Sand zu stecken, wäre definitiv die falsche Herangehensweise, negative Folgen zu verhindern oder so klein als möglich zu halten.

So lautete für die Verantwortlichen des OGS- und Kids Klub-Leitungsteams des Kinderschutzbundes Eschweiler um die pädagogische Leiterin Rebekka Karbig nach einer anfänglichen Phase der Unsicherheit die Devise, dem Virus gemeinsam mit den Kindern die Stirn zu bieten und offensiv zu agieren.

„Vielen Kindern ist zu Beginn der Krise fast das gesamte Sozialsystem weggebrochen. Sie haben keine Bestätigungen durch Lehrer, OGS-Mitarbeiterinnen oder vom Fußballtrainer mehr erhalten und viele ihrer Freundinnen und Freunde nicht mehr gesehen. Deshalb haben wir das Ziel verfolgt, den Kindern zu zeigen, wie wichtig sie sind und ihnen ein Gefühl von Stärke zu vermitteln. Wir meistern die Schwierigkeiten gemeinsam und lassen uns nicht unterkriegen, lautete unser Motto", so die Diplom-Sozialpädagogin.

Wenige Kinder konnten in „Notgruppen" betreut werden, bei den anderen habe sich der regelmäßige telefonische Kontakt als hilfreich erwiesen. Auch und gerade im Hinblick auf die Eltern, deren Redebedarf häufig sehr groß gewesen sei. Darüber hinaus habe es aber auch in der persönlichen Betreuung viel schönes gegeben, unterstreicht Mariethres Kaleß. „Meines Erachtens ist es wichtig, nicht immer nur ausschließlich die Probleme und Schwierigkeiten der Corona-Krise in den Vordergrund zu stellen", sagt die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Eschweiler.

Zahlreiche Ideen

Die OGS- und Kids Klub-Koordinatorinnen Petra Metzen (KGS Eduard-Mörike), Jennifer Kraweczinski (Barbaraschule), Danuta Rudzinski (Evangelische Grundschule Stadtmitte), Ramona Zirmer (KGS Don Bosco) und Glykeria Stalimerou (Barbaraschule/Standort Röthgen) entwickelten mit ihren Teams und den Kindern zahlreiche Ideen, mit denen sie der Corona-Krise trotzten und trotzen.

„Die Kinder sind während der Notbetreuung sehr intensiv und kreativ mit der Situation umgegangen", blickt Petra Metzen einige Wochen zurück. Wasserfarbe und Knete seien genauso zum Einsatz gekommen wie die „altgedienten Spiele" Hüpfkästchen und Gummi-Twist.

Genau wie ihre Kollegin Jennifer Kraweczinski hebt Petra Metzen hervor, dass die ungewohnte Betreuungssituation bei allen Problemen auch mehr Zeit und Raum für die Kinder vor Ort bedeutete. „Wir hatten auch die Möglichkeit, den Kindern Yoga zur Entspannung anzubieten. Damit wollten wir den Druck rausnehmen, den die Corona-Krise vor allem zu Beginn verursachte und die Kinder auch einmal zur Ruhe kommen lassen", so die Koordinatorin der Ganztagsbetreuung an der Barbaraschule.

Vorlesen von Büchern

Auch das Vorlesen von Büchern sowie Hörspiele seien mehr als sonst in den Vordergrund gerückt. Andererseits sei Bewegung ein bestimmendes Thema gewesen. Danuta Rudzinski betont die Bedeutung des Kontakthaltens während der Schulschließung und verhehlt nicht, dass die „Schulöffnung in abgespeckter Form" zum 7. Mai bei den Mitarbeiterinnen der Ganztagsbetreuung an der Evangelischen Grundschule Stadtmitte zunächst auch Verunsicherung hervorgerufen habe.

„Aber dann haben alle Beteiligten ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und unter anderem gebaut, Kostüme gebastelt oder musiziert, ohne zu singen." Apropos Kreativität: „Warum nicht ein Schachspiel auf zwei Brettern, um den Abstand zu wahren?", fragt Ramona Zirmer.

Die Koordinatorin der KGS Don Bosco ist überzeugt, dass die Kinder während der Notbetreuung viel für ihre Sprachentwicklung tun konnten. Drastische Worte wählt Glykeria Stalimerou, wenn sie an den Beginn der Corona-Krise zurückdenkt: „Einige Schüler der Barbaraschule/Standort Röthgen litten unter einem Corona-Trauma. Unsere vordringlichste Aufgabe war, als Team die Ängste der Kinder abzubauen. Dies haben wir getan, indem wir ihnen vermittelt haben, dass sie trotz Corona Spaß haben dürfen und können."

Nähwerkstatt für Masken

So seien eine Nähwerkstatt für Masken, ein Mini-Golfplatz, ein Garten und ein Platz für Wasserspiele auf dem Schulhof entstanden. Auch die Neubau-Baustelle habe für Abwechslung gesorgt. „Durch die Kontaktaufnahme zu den Eltern konnten wir auch deren durchaus vorhandene Angst und Skepsis lindern", erläutert Glykeria Stalimerou. „Wir haben die Kinder in jeder Hinsicht ernst genommen und sie nicht dem Gefühl der Einsamkeit überlassen."

Für die nahe Zukunft würden nun Planungen auf mehreren Ebenen erfolgen, berichtet Mariethres Kaleß. „Während der Sommerferien wird ein großer Bedarf an Betreuung vorhanden sein. Im Zuge der Lockerungen hoffen wir, dass die Beschränkungen auch für uns geringer werden", hegt Rebekka Karbig einen großen Wunsch.

Und was bleibt, wenn die Krise irgendwann überwunden sein wird? „Ich denke, dass die Krise uns als Team hat zusammenrücken lassen. Trotz eines gewissen Chaos zu Beginn haben wir es geschafft, etwas auf die Beine zu stellen. Auch das Verhältnis zu den Eltern ist enger geworden", nennt die Pädagogische Leiterin des Kinderschutzbundes einige Aspekte, die nach der Krise Bestand haben sollten.

Wertschätzung sei ein Schlüsselwort. Und zwar in alle Richtungen. „Für mich war es sehr berührend, als eine Mutter den Spieß umdrehte und mich anrief, um mich zu fragen, wie es mir gehe", nennt Ramona Zirmer ein Beispiel.

Von Andreas Röchter

Für die Überlassung des Berichtes vom 4.6.2020 danken wir ganz herzlich der Lokalredaktion der Eschweiler Nachrichten und der Eschweiler Zeitung.