Euregio-Chor: Fortissimo vom ersten Ton bis zum Beifall

Eschweiler. Wenn auch das italienische Wort «Fortissimo» in der Musik für eine große Lautstärke steht, so heißt es wörtlich übersetzt nicht «sehr laut», sondern «sehr stark». Im letzteren Sinne, so sah es auch Hausherr Pfarrer Dr. Andreas Frick in seinem Grußwort, präsentierte sich der rund 50 Sänger starke Männerchor «Fortissimo Euregio» bei seinem Konzert in der Pfarrkirche St. Peter und Paul.

 

Vorbild im Dreiländereck

Das von dem erfahrenen Breiniger Chorleiter Ludwig Pitz gegründete Vokalensemble ist in mancherlei Hinsicht vorbildhaft im Dreiländereck. Zum einen vereint es Sänger dreier Länder und Sprachen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden zu regelmäßigen Proben und Benefiz-Konzertauftritten.

Zum anderen gelingt dem Neffen des legendären Bayreuther Chordirigenten Wilhelm Pitz das, woran sich einige Chorleiter in der Region «die Zähne ausbeißen»: eine überwiegend nicht mehr ganz junge Sängerschar seit Jahren sowohl für altes wie auch neues und internationales Liedgut zu begeistern.

Und die Bandbreite des vom Chor beherrschten Repertoires ist beeindruckend, wie «Fortissimo Euregio» bei seinem Gastauftritt in St. Peter und Paul bewies. «Fortissimo» im Sinne von stimmgewaltig (und dabei sauber) war das Eine: wie beim slawischen Gotteslob «Budi imia Gospodnie» und dem «Láska Opravdiva» in der Vertonung von Leos Janacek.

Doch auch «leise» kann «sehr stark» sein: Das in die babylonische Gefangenschaft der Juden erinnernde «Prés du fleuve étranger» ließ Gänsehaut-Gefühl aufkommen. Und es lehrte den Musikfreund, dass sich neben Verdi auch der französische Komponist Charles Gounod mit der Geschichte zur Zeit des Königs Nebukadnezar befasste.

Auch sehr emotional für Sänger wie für Zuhörer: «Signore delle cime», ein italienisches Gebet für einen in den Bergen getöteten Familienvater - musikalisch ein «Montanara» im Kleinen.

Zweistündige Musikvesper

Die zweistündige musikalische Vesper lebte neben den einfühlsamen Chordarbietungen auch von starken Leistungen der von Ludwig Pitz mitgebrachten Solisten. Im finalen Liedblock erhob sich der tonschöne Bariton von Marcel Neven über den herzergreifenden slawischen Hymnen des Euregio-Männerchors («Sanak Spava», «Abendfrieden» und «Rasboinikow»).

Nicole Ervens, Sarah Hellenbroich und Leoni Stein brachten mit dem Spiel ihrer Querflöten eine festliche barocke Abendstimmung in Eschweilers Hauptpfarrkirche. Bei der Sonate für drei Flöten von Joseph Bodin de Boismortier wurden schön die stilistischen Unterschiede zwischen den höfischen Tänzen (Allemande, Lentement, Gigue und Allegro) erfasst und umgesetzt. Beim Trio für drei Flöten von Caspar Kummer bezauberten die Solistinnen nach dem einführenden gemächlichen Adagio sostenuto beim abschließenden Rondo mit ihrem perlend dahinfließenden Spiel. Ganz andere Welten erschlossen sie bei ihrem dritten Programmblock: Ragtime-Musik (nach Scott Joplin) mit klassischen Instrumenten in einem Gotteshaus - das hört man selten, kommt aber einer Kirche als Ort der von Gott gewollten Freude zupass.

Peter Schulz virtuos

Und da war auch noch Kantor Peter Schulz: Ursprünglich für den Heimkantor Jószef Acs und den dann auch unabkömmlichen Breiniger Organisten Franz Körfer eingesprungen, war hier nichts von einem «Ersatz» zu hören und zu spüren. Virtuos und mit dem Faible für die wirkungsvolle Registrierung führte der 33-Jährige mit der Sonata Nr. 2 von Edward Elgar in das Konzert ein und ließ dann nach einem «Ausflug» in die französische Orgelromantik (Adagio aus der Sonate Nr. 50 von Alexandre Guilmant) noch eine prächtige freie Improvisation folgen.

Hier fiel gleich nach dem letzten Ton spontaner Beifall ein. Auch der war, wie nach allen Einzelstücken und dem Motto des Abends gemäß: fortissimo.

Erlös für den Kinderschutzbund

Der unter den Besuchern weilende Bürgermeister Rudi Bertram war Schirmherr der als Benefizkonzert organisierten Veranstaltung.

Der Chor «Fortissimo Euregio» und die Besucher mit ihren Spenden stellten sich in den Dienst des Kinderschutzbundes. Hiermit werden die Anliegen des Ortsverbandes Eschweiler unterstützt. Zu ihnen gehören auch die Vormittags- und Ganztagsbetreuung an fünf Grundschulen, projektorientierte Ferienspiele sowie Praktikums- und Arbeitsangebote in Kooperation mit Schulen und Arge.

Für die Überlassung des Berichtes danken wir ganz herzlich der Lokalredaktion der Eschweiler Nachrichten und der Eschweiler Zeitung.