
„Unsere Stimme zählt.“ – Der Kinderschutzbund NRW mahnt verbindliche Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an
Wuppertal, 18.09.2026
„Unsere Stimme zählt.“ Anlässlich des Weltkindertages fordert der Kinderschutzbund NRW, Kinder und Jugendliche verbindlich an allen Entscheidungen zu beteiligen, die ihr Leben und ihre Zukunft betreffen. Ob in Familie und Schule, der Kinder- und Jugendhilfe, in Kommunen oder der Politik: Junge Menschen haben das Recht darauf, gehört und ernst genommen sowie wirksam einbezogen zu werden.
„Beteiligung darf kein symbolischer Akt bleiben. Kinder und Jugendliche müssen erleben, dass ihre Meinung zählt und ihr Engagement Veränderungen bewirken kann“, erklärt Prof. Dr. Gaby Flößer, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes NRW. „Der Weltkindertag ist für uns als Kinderschutzbund deshalb nicht nur ein Tag zum Feiern, sondern auch ein politischer Auftrag”, so Flößer weiter. „In einer demokratischen Gesellschaft müssen Kinder und Jugendliche sichtbar, hörbar und wirksam beteiligt sein. Dadurch werden sowohl ihre Rechte als auch ihr Vertrauen in demokratische Prozesse gestärkt.”
Damit junge Menschen ihre Stimme wirklich einbringen können, brauchen sie nach Auffassung des Kinderschutzbundes NRW beides: Gelegenheiten, bei Entscheidungen mitzureden und mitzubestimmen, und den Zugang zu Bildung, Freizeit, Kultur und sozialen Räumen. Denn nur wenn gesellschaftliche Teilhabe gelingt, wird Beteiligung tatsächlich wirksam. Und genau das ist nach Flößers Auffassung derzeit für zu wenige Kinder und Jugendliche gegeben.
Kinderarmut gehört zu den Faktoren, die gesellschaftliche Teilhabe stark einschränken. 2025 lebte knapp jede vierte minderjährige Person in Nordrhein-Westfalen in einem einkommensarmen Haushalt. „Wer in Armut aufwächst, hat häufig schlechteren Zugang zu Freizeit-, Kultur- und Bildungsangeboten. Mitgliedsbeiträge, Fahrtkosten oder fehlende Ausstattung schließen viele Kinder und Jugendliche von Angeboten aus“, erläutert Landesgeschäftsführer Michael Kutz. Studien zeigen seit Jahren, dass Kinder aus Familien mit wenig Einkommen schlechtere Bildungschancen haben als andere. „Auch diese Bildungsungleichheiten schränken die Möglichkeiten junger Menschen ein, ihre Interessen zu vertreten und ihre Rechte wahrzunehmen“, so Kutz. Wer weniger Gelegenheiten habe, sich einzumischen, sammele auch weniger Erfahrung darin, die eigene Meinung einzubringen und Veränderungen mitzugestalten.
„Wir brauchen eine konsequente Politik gegen Kinderarmut sowie eine verlässliche Finanzierung niedrigschwelliger, inklusiver und kostenfreier Angebote“, sagt Landesvorsitzende Flößer. Die Kinder- und Jugendhilfe könne Benachteiligungen auffangen und Räume für Gemeinschaft, Selbstwirksamkeit und Mitbestimmung eröffnen.
Studien zeigen: Viele junge Menschen unterstützen die Demokratie, gleichzeitig gewinnen autoritäre Positionen an Zustimmung. Beteiligungsmöglichkeiten und die Erfahrung, politisch etwas bewirken zu können, stärken demokratische Haltung und Vertrauen. „Demokratie muss von Anfang an erfahrbar sein“, so Landesgeschäftsführer Kutz. „Kinder und Jugendliche brauchen geschützte Räume, in denen sie ihre Meinung äußern, Unterschiede aushandeln und Verantwortung übernehmen können.“ Sie müssten erleben, dass Erwachsene zuhören und dass ihre Meinung tatsächlich etwas bewirkt. „Genau deshalb zählt die Stimme von Kindern und Jugendlichen – nicht erst in der Zukunft, sondern heute“, ergänzt Landesvorsitzende Flößer.

